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KAND

DIE KANTEN DES KAND

Welche Farben sind es eigentlich, die den Betrachter der Bilder von Helmut KAND so in ihren Bann ziehen? Leuchtet da die Palette der blühenden Juniwiese, blendet da das polychrome Kaleidoskop gotischer Glasfenster, betören da verwirrend bunte Götterbilder aus Indien, oder ist da nicht der tiefblaue Himmel über den griechischen Inseln? Nein, es sind a l l e Farben dieser Welt, und mehr noch, KAND malt mit einem Spektrum kosmischer Dimension. Er führt seinen Betrachter in so überbordende Vorstellungsbereiche, in solch ungeahnte Galaxien, so dass jedes einzelne Bild zum ästhetischen Totalerlebnis wird. Doch da kommt gleich die erste Überraschung: Das alles ist nämlich gar nicht so wichtig. KANDs Bilder sind zu verstehen wie Buchumschläge, die Aufmerksamkeit erregen und dazu einladen wollen zu lesen. Die Polychromie dieser Werke ist bloß die Oberfläche, die Botschaft liegt ganz woanders. Und wie lernt man nun, KAND zu "lesen"? Zunächst, indem der Betrachter versteht, dass diese Bilder dreidimensional sind. Sie sind wie Pyramiden, von denen er zunächst nur die viereckige Grundfläche sieht. Eine bunte Grundfläche voller abstrahierter Rätsel. KAND malt nichts, nur weil es schön ist. Alles ist Kürzel, alles ist Hinweis. Alles ist miteinander verflochten, die Elemente kommunizieren miteinander, fließen auf Strömen elementarer Kraft, lodern und züngeln empor und folgen ihrer mikrokosmischen Ordnung. Es genügt, ein einziges Detail zu verstehen, und die Pyramide öffnet sich. Die Reise beginnt. Es sind gewundene Wege, Brücken, Tunnel und Schluchten, die von einer Assoziation zur anderen führen. Hier ein flimmerndes Licht, dort ein Körper, irgendwo in der Ferne ein riesiger Stern. Ist es ein Stern? Wo sind wir denn überhaupt? Mittendrin im Kosmos des Helmut KAND, er selbst ist die Pyramide, in die er uns eingeladen hat. Dies ist keine Traumwelt, dies ist die innere Wirklichkeit einer Person. Hier ist Schluss mit Oberfläche. Hier geht's um Sehnsüchte, Ängste und Schmerzen, aber auch um tiefempfundene Lust, gelebte Liebe oder orgiastisches Zerfließen. Nie Gewalt, aber immer wieder diese Lust. Ganz hoch oben steht die ewige Göttin mit ihrem wärmenden Schoß und ihren labenden Säften. Ihr strebt alles zu, in ihr zu sein ist Vollkommenheit. Überall ist sie wieder zu erkennen, überall verbreitet sie jene berauschende Erotomanie, die jeden Gedanken lenkt und jeden Blick leitet. Helmut KAND zeigt alles von sich. Nur ist es so verschlüsselt, dass nur wenige es sehen können. Sogar die poetischen Titel seiner Werke sind oft ganz bewusste Irreführungen, Stolpersteine auf dem Weg zur intimen Wahrheit. KAND ist wohl einer der exhibitionistischsten Selbstdarsteller seiner Zeit. Und einer der raffiniertesten. Einer, der Bilder malen kann mit doppeltem Boden.

Thomas Moog

 

VOM URKNALL ZU GEHEIZTEN WIESEN

380.000 Jahre nach dem Urknall vereinigten sich die Elektronen mit den Atomkernen. Dadurch wurde die Ursuppe durchsichtig. Es wurde Licht! Und damit kamen die Farben ins Universum. Es dauerte allerdings weitere 14 Milliarden Jahre, bis diese auf Papier gebracht wurden. Das erste Gemälde entstand und es vollzog sich der Übergang von der Physik zur Kunst. Ist es seit damals das Unbewusste, das den Künstler lenkt und ein Bild werden lässt? Das einen grünen Punkt auf den Koordinaten x=30 cm und y= 47 cm entstehen lässt? Das das Mondgesicht nach rechts und nicht nach links schauen lässt? Das die phantastischen, realistischen, unrealistischen, träumerischen Bildtitel erschafft? Sind der Urknall und die Geschichte des Universums in uns eingebrannt? Fast könnte man dies glauben, wenn man die Titel der Kandschen Bilder analysiert. In übersinnlicher Weise tun sich Parallelen auf, deren Ursache sicher nicht im Physik-Unterricht der Mittelschule Helmut Kands begründet ist. Die allererste Zeit nach dem Urknall wird mit Teilchenbeschleunigern rekonstruiert - in Kandscher Titel-Sprache "Mit Traumbeschleunigern in Zeitnot schlittern". Auch für die Physiker, die auf diese Weise die ersten Minuten des Universums erforschen, gibt es einen Titel-Namen: "Verliebte Archäologen in einer erst wenige Minuten langen Vergangenheit". Seit Einstein wartet die wissenschaftliche Welt auf den Nachweis von Gravitationswellen, dem Echo des Urknalls - "Seismographische Meldungen aus den inneren Paradiesen". Seit damals expandiert das Universum, jeder Punkt in ihm entfernt sich von einem benachbarten - "Flieg zurück, wenn Du kannst". Als die Malerei Anfang des 20. Jahrhunderts im Um- und Aufbruch war, geschah dies - durch Einstein initiiert - auch in der Physik: Die Zeit war kein absolutes Maß mehr - "Das absolute Nichtvorhandensein von Zeitmessern". Nochmals im Gefolge Einsteins: Kann der Raum des Universums so stark gekrümmt sein, dass das Licht im Kreis läuft und von der anderen Seite wieder kommt? - Kand visionär: "Ein Tag mit zwei Sonnenaufgängen". Die Kernverschmelzung speist die Sonne und erhält mit Wärme und Lichtstrahlen unser Leben auf der Erde aufrecht. - "Öl für das Herzlicht". Auch lebensbedrohende Strahlen kommen von der Sonne, die durch das Ozonloch eindringen - "Flugschneisen für Hexen", obwohl dort schöne "Blaue Luft für Badende" herrscht. Trotz wärmender Sonne sind wir und das gesamte Universum eingehüllt in eine kalt strahlende Hinterlassenschaft des Urknalls, die eine Temperatur von minus 270 Grad Celsius hat. Für deren Nachweis gab es 2006 den Physik-Nobelpreis. Das hatte Helmut Kand schon 1972 erkannt: "Es ist so bitter kalt, man muss die Wiesen heizen". Zufall? Unbewusstes? Intuition? KUNST!

Friedemar Kuchar

 

ZITATE DES VORAUSTRÄUMERS UND FARBMAGIERS HELMUT KAND, IN 30 JAHREN GESAMMELT VON YOLANDA DEL POZO

Suchen und Finden
Mein Jahresrhythmus ist so, dass ich mich nicht wohin sehne, sondern dass ich immer schon dort bin.
Malen
Wenn ich ein Bild beginne, habe ich noch keine genaue Vorstellung davon. Der Anfang ist immer ein aggressiver Akt, in dem ich mit einem Schwamm in einem großen Bogen über die Fläche fahre. Die weiße Leinwand ist eine Herausforderung, der man sich nur mit frechem Mut stellen kann. An Tagen, an denen mir diese Wildheit für die alles entscheidenden Linien fehlt, widme ich mich den kleinen Details. Manchmal lade ich andere Künstler oder Kinder ein, diese Linien zu machen, oder ich setze die Leinwand dem Regen oder einer anderen Kraft aus. Oft gibt es bei einem Bild einzelne Stellen, die perfekt sind, aber nicht zusammenpassen. Wenn ein Bild voll ist, ist es deshalb noch lange nicht fertig. Dem folgt das Analytisch-Sezierende, die Außenschau und Farbbalance. Dann hängt das Bild einige Tage über meinem Bett und wenn ich wirklich zufrieden bin, bekommt es einen Titel.
Titel
Der Titel eines Bildes spielt für mich eine ganz wichtige Rolle. Das ist ein eigener Schaffensprozess, an dem ich lange herumfeile. Ich sammle Stichwörter und Halbsätze auf einem Blatt Papier und kombiniere diese dann so, wie sie zum Bildinhalt am besten passen. Dabei geht es mir nicht um übertriebene Tiefgründigkeit, die Titel sollen poetisch, leicht und locker sein. Drei Beispiele: "Aus Versehen eingeatmeter Mädchenschatten", "Ankunft der Erogene-Zonen-Ingenieure" oder "Reise auf möbliertem Grün".
Doodles
Ich kann kaum telefonieren ohne dabei auf Papier zu zeichnen. Auf Englisch nennt man diese Kritzeleien "Doodles". Sie kommen aus dem Unterbewussten und ich nehme sie oft mit fremdem Erstaunen auf. Manchmal spiegeln sie auch die Person, mit der ich gerade telefoniere. Sie sind mir oft willkommen als Fundus für Details in meinen Bildern.
Natur
Ich bin ein naiver Bewunderer und Fliehender. Bisweilen kämpfe ich gegen die Verschandelungen. Umso mehr liebe ich den Wind, den Wettersouffleur, das Meer, den Regen, die Elemente, den Sternenhimmel, das tänzelnde Licht am Wasser, die geheimen Verstecke der Kompassnadeln.
Ferne Länder
Meine Welt liegt nicht hinter den sieben Bergen, sondern hat konkrete Ausgangspunkte. Tatsächlich Erlebtes verbinde ich mit spontanen Einfällen. Die Eindrücke, die ich von meinen Reisen mitbringe, sind eine wichtige Quelle der Inspiration. Reisterrassen, Mythen und Dämonenkulte aus Bali. Die nassgrüne Farbigkeit und Themen aus der frivolen Samba-Ausgelassenheit aus Brasilien. Atemlose Schnelllebigkeit in den Millionenstädten, exponierte Situationen außerhalb des Schneckenhauses. Oft mache ich Tonbandaufnahmen vom Marktgemurmel, Windspielen, dem Geschrei der Leute. Auf meinen Wanderungen durch die Kontinente fange ich Gesehenes, Erahntes, Gewünschtes, Erlebtes, Visionen, Freude, Erotik und halbfertige Tagträume. Ich schleppe viele Dinge herbei, Skulpturen, Schnitzereien, Textilien, Teppiche, Batiken. Nur mit fremden Bildern kann ich nicht leben. Ich dekoriere sogar die Hotelzimmer um, wenn ich wo mehrere Tage bin.
Frauen
Wenn Frauen in meinen Bildern wohnen, bekommen sie oft besondere Namen: Feuergazelle, Goldfeigenblatt, Schwebende über dem Azur, Süßtraummedizin, Geliebte Duftorgel, Sternenfangschwalbe, Lockenengelchen, Stimulanz-Feechen, Nasshaarkatze, Herztänzerin, Morgenglückstee, Magnetfeld für Duftgierige, Ackerphilosophin, Aromagärtnerin, Mädchen vom Land - duftend und gläubig, Horoskopmädchen, Mädchen mit Händewegkleidchen, Frau mit Schmetterlingsgefühlen und einfachem Vokabular, Windköpfchen mit ihren sieben Sachen, Aphrodite mit Nachtwächteraugen, Windbruthexe, Nachtblühendes Labyrinth, Lustkurort und Siebenmalglück.
Bodypainting
Es ist ein sehr sinnlicher Vorgang, Frauen mit dem Pinsel kostbar zu bekleiden. Ich habe auch Freude an der Kurzlebigkeit, dem Charme der Vergänglichkeit. Das erotische Hochgefühl ist zu gleichen Teilen vorhanden. Duftende Farben werden mit schmeichelnden Haarpinseln aufgetragen, schmetterlingsflügeldünnes Blattgold und geschliffene Glassteine aufgebracht. Das kann schon sieben Stunden lang dauern. Dabei schreibe ich meinen Modellen eine kecke Botschaft auf den Leib. Die Inspiration wurzelt in den verbotenen, geheimen Sehnsüchten der Kindheit und in der Freude an der Spontaneität. Mit einer Dusche rinnt die ganze Pracht für immer dahin.
Ios
Seit 40 Jahren verbringe ich jeden Sommer in unserem Haus auf Ios. Dort ist alles anders: Das Licht, der Tagesrhythmus, das Nicht-Vorhandensein von Zeitmessern und Terminkalendern. Bei Wanderungen ins Inselnnere sammle ich Eindrücke von verlassenen Gärten, ausgetrockneten Zisternen, Zikadengezirpe, schlafenden Katzen. Die Insel hält sich einen großen Berg. Hoch oben, halbrund um einen spitzkegeligen Felssporn geklebt wie eine Brosche, das weiße handgeformte Dorf Hora, ein Labyrinth von Treppen, engen Gassen, schiefen Mauern, Stufen und Dachterrassen. Ineinander geschachtelt strahlen und blenden die Kykladenhäuser in hitzeabweisendem Kalkweiß. Weit herum im kargen Bergland, dem die dunkeln Linien der Steinmauern Struktur und optischen Halt geben, liegen hundert weiße Kapellen auf okkultistischen Nasenfelsen oder idyllischen Anhöhen. Die Wolkengärtnerin gießt zu selten. Wenn der Wind oft seine Richtung wechselt, wird der Duft von Thymian gerecht verteilt. Auf den ersten Blick kein Paradies mit Apfelbaum und Eva, eher das auf die verschlafenhabende Sintflut wartende Eiland. 1985 wurde ich zum "Malenden Botschafter" von Ios ernannt.
Erfolg
Die ersten 30 Jahre fanden fast alle Aktivitäten im Ausland statt. Schon mit 22 habe ich in London ausgestellt und erregte dort durch eine öffentliche Bilderverbrennung großes Aufsehen. In Berlin kam es nach einer ähnlichen Aktion verständlicherweise zu einem Skandal, der mir zur erhofften Popularität verhalf. Die Ausstellungen meiner Werke in internationalen Galerien und Museen in Rom, Florenz, Kopenhagen, Paris, Tokio, New York, Buenos Aires, Lissabon, Muskat und vielen anderen Orten, die dann folgten, verliefen harmonisch, und auch die Kunstsammler haben mich entdeckt.
Träume
Ich habe keine unerfüllten Träume. Ich bin in der Steiermark in einem sehr kunstliebenden Haus aufgewachsen und wollte schon früh Künstler werden. Dabei war ich immer ein Einzelgänger, war nie in einer Gruppe, und obwohl ich einen sehr großen Freundeskreis habe, sind darunter nur wenige Maler. Jetzt fällt mir doch ein Traum ein, den ich gerne verwirklichen würde: Ich hätte gerne ein eigenes Museum, wo meine Kunst zentral versammelt ist.
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